Warum eine Taupunktermittlung in Bestandsgebäuden so wichtig ist (und wie der Baukler dabei vorgeht)

Feuchte Ecken, muffiger Geruch, dunkle Flecken an Außenwänden – all das sind Warnsignale, dass in einem Gebäude etwas bauphysikalisch nicht stimmt. Einer der wichtigsten Bausteine, um solche Probleme zu verstehen und dauerhaft zu lösen, ist die Taupunktermittlung.

In diesem Beitrag erkläre ich,

  • was der Taupunkt überhaupt ist,
  • wie man ihn in einer bestehenden Immobilie ermittelt,
  • was passiert, wenn der Taupunkt unterschritten wird
  • und mit welchen Maßnahmen (Dämmung, Vermeidung von Wärmebrücken, Luftdichtheit, Putze etc.) sich die Ursachen nachhaltig beheben lassen.

Was ist der Taupunkt?

Die Luft kann je nach Temperatur nur eine bestimmte Menge Wasser aufnehmen.

  • Warme Luft kann viel Wasser speichern.
  • Kalte Luft kann nur wenig Wasser speichern.

Der Taupunkt ist jene Temperatur, bei der die Luft „voll“ ist – also 100 % relative Luftfeuchtigkeit erreicht. Kühlt eine Oberfläche unter diesen Punkt ab, kann die Luft die Feuchtigkeit nicht mehr halten:
👉 Wasserdampf schlägt sich als Kondensat nieder – wie am kalten Badezimmer-Spiegel oder an einer schlecht gedämmten Außenwand.

Beispiel:
Bei rund 20 °C Raumtemperatur und 50 % relativer Luftfeuchtigkeit liegt der Taupunkt bereits im Bereich von etwa 9–10 °C. Hat ein Bauteil innen eine Oberflächentemperatur in dieser Größenordnung oder darunter, wird es kritisch.


Warum ist die Taupunktermittlung in Bestandsgebäuden so wichtig?

In einem Bestandsbau kommen mehrere Faktoren zusammen:

  • gealterte oder fehlende Dämmung
  • Wärmebrücken (z. B. Balkonplatten, Stürze, Deckenauflager, Betonstützen)
  • neue, dichte Fenster in alten Wänden
  • geändertes Nutzungsverhalten (Homeoffice, weniger Lüften, mehr Feuchtequellen)

Die Folge: An manchen Stellen im Gebäude kühlen die Innenoberflächen so stark aus, dass sie nahe an den Taupunkt kommen oder diesen unterschreiten. Das geschieht oft unsichtbar in Ecken, Nischen, hinter Möbeln oder in Rollladenkästen – bis sich irgendwann Schimmel bildet oder der Putz abplatzt.

Eine professionelle Taupunktermittlung schafft Klarheit:

  • Liegt das Problem am Nutzerverhalten (Lüften/Heizen)?
  • Oder sind bauphysikalische Mängel wie Wärmebrücken, fehlende Dämmung oder Luftundichtheiten die Ursache?

Gerade vor einem Immobilienkauf oder einer Sanierung ist diese Information Gold wert – für Käufer, Verkäufer und Planer.


Wie wird der Taupunkt in einer bestehenden Immobilie ermittelt?

In einem Bestandsgebäude arbeitet man in der Praxis messbasiert. Typisch sind folgende Schritte:

1. Messung der Raumluft: Temperatur & relative Luftfeuchtigkeit

Mit einem Hygrometer (oft kombiniert mit einem Temperaturfühler) werden in den relevanten Räumen folgende Werte erfasst:

  • Raumtemperatur (z. B. 20–22 °C)
  • relative Luftfeuchtigkeit (z. B. 40–60 %)

Aus diesen beiden Größen lässt sich der Taupunkt berechnen. Gleichzeitig wird sichtbar, ob die Luftfeuchtigkeit generell zu hoch ist (z. B. dauerhaft > 60 – 65 %), was das Risiko für Schimmel zusätzlich steigert.

2. Messung der Bauteiltemperaturen

Im nächsten Schritt werden die Oberflächentemperaturen der Bauteile gemessen, vor allem an typischen Problemstellen:

  • Außenwände und Außenwandecken
  • Fensterlaibungen, Stürze, Brüstungen
  • Deckenanschlüsse, auskragende Bauteile (Balkone)
  • Rollladenkästen, Installationsschächte, Attiken

Dazu nutzt man:

  • Oberflächentemperaturfühler oder
  • Infrarot-Thermometer bzw. Thermografie-Kamera, um Temperaturverläufe sichtbar zu machen.

So sieht man sehr schnell, wo Innenoberflächen besonders kalt sind und ob sie sich dem berechneten Taupunkt annähern.

3. Bewertung: Wann wird es kritisch?

Nun werden Raumdaten und Bauteildaten zusammengeführt:

  • Ist die Bauteiloberfläche nur geringfügig über dem Taupunkt, droht bei kleinen Veränderungen (z. B. kältere Außentemperaturen, mehr Feuchtigkeit, weniger Heizen) bereits Kondensation.
  • Unterschreitet die Bauteiloberfläche den Taupunkt, kann sich sichtbar oder versteckt Kondenswasser bilden.

Zusätzlich betrachtet man auch:

  • wie lange die Oberflächen in diesem kritischen Bereich bleiben
  • ob die Flächen „hinterlüftet“ sind (z. B. hinter Möbeln)
  • ob schon Schimmelflecken oder Putzschäden sichtbar sind

Was passiert, wenn der Taupunkt unterschritten wird?

Wird der Taupunkt unterschritten, kondensiert Wasser an den Bauteiloberflächen. Die Folgen:

  1. Kondenswasser & feuchte Stellen
    – sichtbare Wasserränder, feuchte Tapeten, nasse Fensterlaibungen.
  2. Schimmelpilzbildung
    – Schimmel braucht Feuchtigkeit und Nährstoffe (z. B. Tapetenkleister, Staub, Gipsputz).
    – Feuchte Oberflächen sind der perfekte Nährboden.
  3. Gesundheitliche Risiken
    – Schimmelsporen können Allergien, Atemwegsprobleme und Beschwerden bei empfindlichen Personen auslösen.
  4. Bauschäden
    – Putzabplatzungen, Salzausblühungen, Verfärbungen
    – Durchfeuchtung von Holzbauteilen, im Extremfall Fäulnis
  5. Wertminderung der Immobilie
    – Feuchte und Schimmel mindern die Wohnqualität, die Vermietbarkeit und den Verkaufswert.
    – Oft drohen kostspielige Sanierungen, wenn die Ursachen nicht rechtzeitig erkannt werden.

Wie lassen sich Taupunktprobleme lösen?

Entscheidend ist: Nicht nur den Schimmel entfernen – sondern die Ursache beheben.
Typischerweise sind mehrere Bausteine nötig.

1. Nutzerverhalten optimieren (aber nicht nur darauf verlassen)

  • Regelmäßiges, kurzes Stoßlüften statt Kipplüften über Stunden
  • Ausreichend Heizen, damit Bauteile nicht zu stark auskühlen
  • Möbel nicht direkt an kalte Außenwände „pressen“, sondern Abstand halten

Das kann helfen, ist aber bei echten bauphysikalischen Mängeln alleine nicht ausreichend.

2. Dämmung verbessern

Durch eine geeignete Wärmedämmung steigt die Innenoberflächentemperatur von Außenbauteilen:

  • Außendämmung (WDVS, vorgehängte Fassade, Aufdachdämmung) ist aus bauphysikalischer Sicht meist die beste Lösung.
  • Bei historischen Fassaden oder im Innenbereich kann auch eine professionell geplante Innendämmung sinnvoll sein – hier sind diffusions- und feuchtetechnische Details besonders wichtig.

3. Wärmebrücken minimieren

Wärmebrücken sind Bereiche, in denen Wärme schneller nach außen abgeführt wird – typische Beispiele:

  • auskragende Balkonplatten
  • Stahlbetonstützen oder Unterzüge in Außenwänden
  • Deckenauflager auf Außenmauerwerk
  • schlecht gedämmte Fensteranschlüsse und Rollladenkästen

Maßnahmen können sein:

  • durchgehende Dämmebenen ohne Unterbrechung
  • thermische Trennelemente bei Balkonen und auskragenden Bauteilen
  • zusätzliche Dämmkeile oder Dämmschalen an kritischen Stellen
  • verbesserte Detailausbildung bei Fenstern (Anschlussfugen, Laibungsdämmung)

4. Luftdichtheit herstellen

Undichte Stellen in der Gebäudehülle führen dazu, dass warme, feuchte Innenluft in kalte Bauteilschichten gelangt und dort kondensiert.

Wichtige Schritte:

  • Ermittlung der Undichtheiten (z. B. mittels Blower-Door-Test und Leckagesuche)
  • Luftdichte Anschlüsse bei Fenstern, Türen, Decken, Durchdringungen
  • sauber ausgeführte Dampfbremsen und luftdichte Ebenen in Dach/Decke

5. Geeignete Putze und Oberflächen

Die Wahl der richtigen Innenoberflächen kann das Feuchteverhalten positiv beeinflussen:

  • Kalkputze, Lehmputze und kapillaraktive, diffusionsoffene Systeme können Feuchtigkeit kurzfristig puffern und wieder abgeben.
  • Spezielle Sanierputze helfen bei bereits feuchten Mauerwerken, müssen aber immer mit einem passenden Sanierungskonzept kombiniert werden (z. B. Entsalzung, Feuchtequelle beseitigen).

Wichtig: Oberflächensysteme alleine lösen kein Taupunktproblem, wenn die Temperaturen der Bauteile zu niedrig bleiben – sie sind ein Baustein, nicht die einzige Lösung.


Warum ein Baukler der richtige Partner für die Taupunktermittlung ist

Als Baukler vereinen wir die Perspektive des Baumeisters mit jener des Maklers. Das bedeutet:

  • Wir betrachten Immobilien nicht nur optisch, sondern bauphysikalisch und technisch im Detail.
  • Mit Messgeräten wie Hygrometern, Oberflächentemperaturfühlern, Thermografie, Blower-Door-Test, Feuchtemessung und – falls nötig – Endoskopie erfassen wir den Ist-Zustand objektiv.
  • Wir erklären verständlich, wo der Taupunkt unterschritten wird, warum das so ist und welche Maßnahmen sinnvoll sind – technisch und wirtschaftlich.

Das ist besonders wertvoll:

  • vor dem Kauf einer Immobilie (Hausankaufstest)
  • bei Schimmel- oder Feuchteproblemen in Bestandsobjekten
  • vor einer Sanierung oder dem Einbau neuer Fenster
  • beim Verkauf, um Risiken zu minimieren und den Wert zu erhalten

Fazit

Eine Taupunktermittlung ist kein „Nice-to-have“, sondern ein zentraler Baustein, um:

  • Schimmel und Feuchte dauerhaft zu verhindern,
  • Bauschäden zu vermeiden,
  • die Gesundheit der Bewohner zu schützen
  • und den Wert einer Immobilie langfristig zu sichern.

Wenn Sie wissen möchten, wie es in Ihrer Immobilie um Taupunkt, Feuchte und Wärmebrücken steht,
vereinbaren Sie am besten einen Baukler-Termin – wir prüfen Ihr Gebäude messtechnisch und entwickeln mit Ihnen gemeinsam einen sinnvollen Maßnahmenplan.


Kontakt

Wir freuen uns, wenn Sie mit uns Kontakt aufnehmen.

BAUKLER - nur geprüfte Immobilien
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